raumsichten

die vechte: lebensader über grenzen hinweg

Die Vechte ist ein prägendes Element für die Grafschaft Bentheim und die Provinz Overijssel. Die flache Landschaft im Vechtetal, Wälder, Wiesen und Felder, Heide und Moor, begleitet den Wasserlauf durch die hiesige Grafschaft in nordwestlicher Richtung über 182 Kilometer bis in das niederländische Zwolle. Dort mündet der Fluss als Overijsselse Vecht in das Zwarte Water (Dt. Schwarzes Wasser) mit Zugang über das Zwarte Meer und den Ijssel-Zwolle Kanal zum Ijsselmeer und damit zur Nordsee.

nutzung durch den menschen
Schon vor über 10.000 Jahren siedelten Menschen auf höher gelegenen Saumstellen entlang der Vechte. Der Fluss hat seither immer wieder seinen Lauf geändert. Regelmäßige Überflutungen in dem 300 bis 500 Meter breiten Tal erforderten einen ständigen Existenzkampf um Land und Leben und versorgten die Menschen zugleich mit fruchtbaren Auen. Früh wurde die Vechte als Wasserstrasse und zur Energiegewinnung für Mühlen genutzt. Der schiffbare Handelsweg spielte bis ins 19. Jahrhundert hinein eine tragende Rolle, um den hiesigen Bentheimer Sandstein, Torf, Roggen und Holz in die Niederlande sowie Vieh, amerikanische Baumwolle und Gebrauchsgüter zurück in die Grafschaft zu befördern. Die Funktion als Verkehrsweg ging mit dem Ausbau des Autobahn- und Eisenbahnnetzes im 20. Jahrhundert zunehmend verloren. Parallel dazu veränderten Flussbegradigungen das Erscheinungsbild der Vechte erheblich. Seit den 1930er Jahren war es Ziel der menschlichen Eingriffe, durch Stauwehre Schutz vor Überflutungen zu gewährleisten und den Fluss für gezielte Be- und Entwässerung der nahen Felder und ihre Düngung zu nutzen. Die Verwendung von Kunstdünger in der industriellen Landwirtschaft nach 1945 machte diese Nutzung überflüssig. Die Vechteregulierungen, der Bau umfangreicher Kanalnetze, die zunehmende Bodenversiegelung und Flächenentwässerung veränderten zudem den Wasserstand. In den 1960er Jahren wurde der Fluss weiter verbreitet und eingedämmt. Übrig blieben so genannte Altarme, die heute als Biotop fungieren und teilweise unter Naturschutz stehen oder wieder an die Vechte angegliedert werden sollen.

naturnahe planungen
Aufgrund dieser langen Geschichte und der engen Verbundenheit der Bevölkerung mit dem Fluss entstanden Überlegungen, die Vechte als Naturraum in das kulturelle Gedächtnis zurückzuholen. Als Vorbild gilt die weit reichende »Vechtevision« im niederländischen Teil des Vechtetals, die ökologische Räume für den Fluss schafft. Dort wird die Umwandlung zu einer naturnahen Vechte und einer lebendigen Flussaue seit 1997 betrieben. Ziele sind die Einhaltung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (seit 2000), die Sicherung einer Durchgängigkeit für Flora und Fauna sowie die teilweise Rücklegung des Gewässers in seine alten Mäander. Mit der »grenzüberschreitenden Vechtetalstrategie« werden solche Planungen seit 2008 auch auf deutscher Seite nachhaltig in Verwaltung und Politik verankert. Die programmatische Abkehr vom Fluss als reine Nutzlandschaft soll Pflanzen und Tieren einen verbesserten Lebensraum anbieten, zugleich die Interessen der Menschen an Hochwasserschutz und Naherholung nicht vernachlässigen und das lebendige Vechtetal mit einem »sanften Tourismus« erfahrbar machen. Die Skulpturprojekte für raumsichten werden diese Gestaltungsmerkmale künstlerisch widerspiegeln.

informationen zur vechtetalroute
> www.grafschaft-bentheim-tourismus.de
> www.grenzerlebnisse.de